Beides kommt vor, und die Maßnahmen sind gegensätzlich. Kommt wenig, aber weicher Stuhl, fehlt schlicht Volumen — dann hilft mehr essen, nicht mehr Ballaststoffe. Ist der Stuhl hart und das Pressen mühsam, ist es echte Verstopfung. Ein Blick auf die Beschaffenheit unterscheidet die beiden.
Das ist eine der praktisch wichtigsten Unterscheidungen überhaupt — und sie wird fast nie gemacht, obwohl die beiden Fälle gegenteilige Maßnahmen brauchen.
**Fall 1: zu wenig Volumen.** Wer nur noch die Hälfte isst, produziert auch weniger Stuhl. Seltener aufs Klo zu müssen ist dann kein Krankheitszeichen, sondern eine Rechenfolge. Erkennbar daran, dass der Stuhl **weich** ist, wenn er kommt, und das Absetzen nicht mühsam. Hier hilft: insgesamt mehr essen, besonders mehr pflanzliche Lebensmittel. Mehr Ballaststoffpulver wäre falsch — es fehlt ja nicht an Fasern, sondern an Menge.
**Fall 2: echte Verstopfung.** Erkennbar an hartem, klumpigem Stuhl, mühsamem Pressen, dem Gefühl unvollständiger Entleerung, aufgeblähtem Bauch. Hier ist die Passage das Problem, nicht die Menge. Ballaststoffe mit ausreichend Flüssigkeit, Bewegung und Regelmäßigkeit sind die Ansatzpunkte.
Das Unterscheidungsmerkmal ist also nicht die Häufigkeit, sondern die **Beschaffenheit**. Alle zwei bis drei Tage weicher Stuhl ohne Mühe ist unauffällig. Täglich harter Stuhl mit Pressen ist es nicht.
Verstopfung ist übrigens die langwierigste der typischen Beschwerden: In der Fachinformation eines Präparats wird die mittlere Dauer mit 47 Tagen angegeben, gegenüber 8 Tagen bei Übelkeit.
Ein Warnsignal, bei dem beides nicht mehr zutrifft: mehrere Tage kein Stuhlgang, dazu harter aufgeblähter Bauch, krampfartige Schmerzen und Erbrechen. Das kann auf einen Darmverschluss hindeuten und gehört am selben Tag ärztlich angesehen.
